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Abfindung richtig verhandeln: Tipps und Information zum Verfahren

Abfindung richtig verhandeln: Tipps und Information zum Verfahren

Wer eine Kündigung erhält, bekommt nicht automatisch eine Abfindung. Anspruch auf eine Abfindung hat man nämlich nur in manchen Fällen und trotzdem zahlen die meisten Arbeitgeber:innen sie. Das hat meist den Grund, dass sie einen langen Kündigungsschutzprozess mit ungewissem Ausgang vermeiden wollen. Für die Höhe von Abfindungen gibt es keine festen Regeln oder gar Formeln. Eine hohe Abfindung zahlt ein:e Arbeitgeber:in nur, wenn er/sie Angst hat, vor Gericht zu verlieren. Das muss man vor allem, wenn man über Abfindungen verhandelt im Auge behalten. Die meisten „Abfindungsrechner“ im Internet helfen daher selten weiter.

 

 

Die Höhe der Abfindung

 

 

Für die Höhe einer Abfindung ist es besonders wichtig, wie sehr der/die Arbeitgeber:in fürchtet, den Kündigungsschutzprozess zu verlieren. Das kann auch davon abhängen, was für eine Kündigung ausgesprochen wurde (verhaltensbedingt, betriebsbedingt, krankheitsbedingt, fristlos etc.) und was ihr vorausgegangen ist. Von Bedeutung kann dabei z. B. sein, ob bereits eine Abmahnung vorliegt. Davon kann auch abhängen, wie man sich vor oder nach einer Kündigung am besten verhält, um eine möglichst hohe Abfindung zu bekommen und um Schwierigkeiten mit dem Arbeitsamt zu vermeiden. Ob und welche Chancen man hat, eine Abfindung zu bekommen und falls ja, in welcher Höhe und worauf nach der Kündigung geachtet werden muss, erfährt man häufig schnell von einem/einer Anwält:in.

 

 

Verfahren zum Erhalt einer Abfindung

 

 

Abfindungen zu verhandeln setzt viel Erfahrung voraus. Wer die taktischen Spielregeln kennt, Arbeitsrecht und Verhandlungstechnik beherrscht, kann Abfindungen verhandeln, von den anderen nur träumen. Unter Abfindung wird die Zahlung des/der Arbeitgeber:in an den/die Arbeitnehmer:in zur Abgeltung der sozialen und wirtschaftlichen Nachteile, die mit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses verbunden sind, verstanden. Nennen wir es Schmerzensgeld für den Verlust des Arbeitsplatzes.

Die Zahlung einer Abfindung wird in einer Aufhebungsvereinbarung oder im Rahmen eines gerichtlichen Vergleiches vereinbart. Bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses besteht grundsätzlich kein Rechtsanspruch auf Zahlung einer Abfindung. Die regelmäßig anzutreffende Ansicht, mit Ausspruch einer Kündigung entstünde automatisch ein Anspruch auf Zahlung einer Abfindung, ist falsch. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, ist die Abfindungszahlung das Ergebnis ausgeklügelter Verhandlungen. Nur ausnahmsweise kann sich ein Anspruch auf Zahlung einer Abfindung aus einem Tarifvertrag oder einem Sozialplan ergeben. Bei leitenden Angestellten kann eine Abfindung Folge eines Auflösungsantrags durch den/die Arbeitgeber:in sein.

 

 

Steuern und Sozialversicherung bei einer Abfindung

 

 

Abfindungen sind grundsätzlich sozialversicherungsfrei, jedoch steuerpflichtig. Freibeträge sind nicht mehr existent. Über die sogenannte Fünftelregelung kann es Steuervorteile geben. Bei der Fünftelregelung rechnet das Finanzamt so, als würde 5 Jahre lang je 1/5 der Abfindung erhalten werden. Die Steuern werden trotzdem auf einmal abgezogen. Entscheidende Voraussetzung ist die sogenannte Zusammenballung von Einkünften. Wie attraktiv die Fünftelregelung ist, hängt auch von den sonstigen Einkünften im Jahr der Abfindungszahlung ab. Neben steuerlichen Gesichtspunkten ist die Abfindung auch im Hinblick auf eine mögliche Sperrzeit bei dem Bezug von Arbeitslosengeld zu optimieren. Darüber hinaus muss auch sichergestellt werden, dass es zu keinem Ruhen von Ansprüchen auf Arbeitslosengeld kommt. Bei Verhandlungen muss ebenfalls ein Fokus auf die Versteuerung der Abfindung gelegt werden. Bereits durch den Zahlungszeitpunkt kann es hier zu gravierenden steuerlichen Unterschieden kommen. Dies muss in jedem Falle in der Aufhebungsvereinbarung berücksichtigt werden und eine steuerliche Optimierung erhöht die Chance auf mehr Netto.

 

 

Abfindung richtig verhandeln

 

 

In den meisten Fällen ist die Abfindung, insbesondere die Abfindungshöhe, das Ergebnis taktisch geführter Verhandlungen. Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Abfindung. Der Betrag selbst wird ebenfalls frei verhandelt.  Die Interessen sind nämlich von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Der/Die Arbeitgeber:in will eine möglichst geringe Abfindung zahlen. Der/Die Arbeitnehmer:in hat Interesse an einem wirtschaftlich interessanten Gesamtpaket, welches es ihm/ihr ermöglicht einen gewissen Zeitraum finanziell zu überbrücken. Daher lohnt es sich bereits, sich mit der Interessenslage intensiv auseinander zu setzen. Wer die Sichtweise der anderen Seite kennt, kann dieses Wissen aktiv nutzen. Voraussetzung, um eine hohe Abfindung verhandeln zu können, ist oft die Anwendbarkeit des Kündigungsschutzgesetzes. Ist das Arbeitsverhältnis gekündigt, muss innerhalb von drei Wochen Kündigungsschutzklage eingereicht werden. Allerdings benötigt der/die Arbeitgeber:in nur dann einen Kündigungsgrund, wenn Kündigungsschutz besteht. Ansonsten kann der/die Arbeitgeber:in das Arbeitsverhältnis, unter Beachtung der ordentlichen Kündigungsfrist, jederzeit kündigen. Spricht der/die Arbeitgeber:in etwa eine betriebsbedingte Kündigung aus und erhebt der/die Arbeitnehmer:in fristwahrend Kündigungsschutzklage, kommt es in der Regel spätestens im Gütetermin zu Abfindungsverhandlungen.

Auch hier ist es wichtig zu wissen, dass das Gericht keine Abfindung festsetzt. Das Gericht moderiert bei den Verhandlungen. Eine Abfindung wird dann gezahlt, wenn beide Seiten mit dem Ergebnis zufrieden sind. Letztendlich „erkaufen“ sich beide Seiten eine Trennung mit möglichst niedriger arbeitsgerichtlicher Auseinandersetzung.

 

 

Abfindungshöhe mittels Faustformel

 

 

Insbesondere zu der Höhe der Abfindung kursieren viele Gerüchte. Auch hier gibt es keine gesetzliche Regelung. Arbeitsgerichte schlagen im Rahmen von Güteverhandlungen oft eine sogenannte Faustformel vor. Faustformel meint als Berechnungsgrundlage für die Abfindung ein halbes Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr. Eine gesetzliche Regelung zu der Höhe der Abfindung ist nur für den Ausnahmefall des Auflösungsantrages existent. Je nach Branche, aber insbesondere auch Verhandlungsgeschick, kann die Höhe der Abfindung stark variieren. Mit entsprechender Erfahrung und taktischen Geschick lässt sich eine Abfindung verhandeln die weit über den üblichen Sätzen liegt.

 

 

Tipp aus der Praxis

 

 

Die Höhe einer Abfindung ist reine Verhandlungssache. Ohne professionellen Rat verschenken Sie daher im Zweifel viel Geld. Ohne einen versierten Rechtsanwalt an Ihrer Seite riskieren Sie es viel Geld zu verschenken. Idealerweise ist der/die Anwält:in auch Fachanwält:in für Arbeitsrecht. Unabhängig von dem wirtschaftlichen Aspekt sind ebenfalls zahlreiche andere Gesichtspunkte, angefangen bei einem sehr guten Zeugnis, unbedingt mit zu verhandeln. Wer also eine (gute) Abfindung erhalten möchte, richtet sich an Expert:innen.

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