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Berufschancen und Gehalt für behinderte Arbeitnehmer:innen

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Ungefähr ein Viertel aller deutscher Betriebe mit bis zu 20 Mitarbeiter:innen beschäftigt keine:n behinderte:n Arbeitnehmer:in. Dabei gibt es in Deutschland insgesamt fast acht Millionen Menschen mit einer erheblichen körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung. Die Mehrheit ist zwar altersbedingt eingeschränkt, doch immerhin knapp sechs Prozent der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter zwischen 15 und 65 Jahren weisen eine schwerwiegende Behinderung auf. Das sind ganze 3,1 Millionen Menschen. Dennoch sind wenige Menschen mit Behinderung ein Teil der Arbeitswelt. In diesem Beitrag erklären wir also, wo Menschen mit Behinderung arbeiten können, welche rechtlichen Schutzmaßnahmen es gibt und wie viel Gehalt behinderte Arbeitnehmer:innen erwarten können.

 

 

Ab wann gilt ein:e Mitarbeiter:in als schwerbehindert?

 

Liegt ein Behinderungsgrad von mindestens 50 Prozent vor, gilt der/die Arbeitnehmer:in als schwerbehindert. Ob eine Schwerbehinderung vorliegt, stellt das jeweilige Versorgungsamt fest, wobei seelische, geistige und körperliche Behinderungen gleichermaßen erfasst werden. Haben Personen einen Behinderungsgrad von 30 oder 40 Prozent, können diese auf Antrag bei der Arbeitsagentur so eingestuft werden, dass sie als schwerbehindert gelten.

 

 

Arbeitssituation für schwerbehinderte Menschen

 

Eine Behinderung unterscheidet sich von Person zu Person, weswegen es einer feinen Differenzierung bedarf: Der Grad der Behinderung (GdB) reicht in Zehnerschritten von 20 bis 100. Je höher der Grad, desto schwerwiegender die Beeinträchtigung. Hierbei handelt es sich jedoch um einen reinen Zahlenindex und nicht, wie häufig irrtümlicherweise angenommen, um einen Prozentsatz. Betroffene gelten ab einem GdB von 50 als schwerbehindert. Statistiken zu behinderten Menschen beziehen sich in der Regel auf diese Gruppe. Etwa vier Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland besitzen einen Schwerbehindertenausweis. Somit nehmen 49 Prozent aller Erwerbsfähigen mit Handicap am Arbeitsleben teil. Das stellt zwar einen erfreulichen Anstieg dar (vor zehn Jahren waren es lediglich 43 Prozent), der Wert liegt jedoch immer noch deutlich unter der Erwerbstätigenquote der Gesamtbevölkerung (75 Prozent). Hier handelt es sich um eine immense Diskrepanz, die nicht allein mit der Anzahl an Schwerbehinderten zu erklären ist, welche aufgrund des Ausmaßes ihrer Beeinträchtigung arbeitsunfähig sind.

 

Mehr als 150.000 Menschen mit einem GdB von über 50 waren 2018 als arbeitslos gemeldet. Zwar stellt auch dies einen historischen Rückgang dar, doch fiel dieser bei der Gesamtbevölkerung noch deutlich höher aus. Zudem gestaltet sich die Vermittlung von Arbeitssuchenden mit Beeinträchtigung oftmals schwer und die durchschnittliche Dauer der Beschäftigungslosigkeit ist signifikant höher. An mangelnder Qualifikation liegt das nicht: Tatsächlich weisen behinderte Erwerbslose im Vergleich zur Gesamtbevölkerung eine bessere Ausbildung auf.

 

 

Schutz für Arbeitnehmer:innen mit Behinderung

 

Nicht nur das Grundgesetz, sondern auch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet jegliche Art von Diskriminierung und schützt daher soziale Minderheiten wie Menschen mit Behinderung. Diese dürfen somit nicht aufgrund ihres Handicaps anders behandelt werden. Konkret wird eine Benachteiligung in folgenden Aspekten des Arbeitsverhältnisses untersagt:

  • Einstellung in den Job
  • Beruflicher Aufstieg
  • Arbeitsbedingungen
  • Vergütung
  • Weiterbildungsmöglichkeiten (bei innerbetrieblichen Maßnahmen sind Behinderte und Gleichgestellte bevorzugt zu behandeln)

 

 

Arbeitsbedingungen für behinderte Arbeitnehmer:innen

 

  1. Im Neunten Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB IX) werden die Rechte von Arbeitnehmer:innen mit einer körperlichen oder mentalen Beeinträchtigung spezifiziert. So haben schwerbehinderte Menschen einen zusätzlichen Urlaubsanspruch von einem Tag je wöchentlichem Arbeitstag. Dieser wird zum Regelurlaub addiert.
  2. Arbeitnehmer:innen mit Schwerbehinderung haben außerdem die Möglichkeit, Mehrarbeit abzulehnen, welche einen Tagesumfang von acht Stunden überschreitet. Es besteht also das Recht, Überstunden zu verweigern
  3. Im Allgemeinen ist es die Pflicht des/der Arbeitgeber:in, für eine angemessene Beschäftigungsumgebung zu sorgen. Das bedeutet einerseits ein Arbeitspensum bzw. eine Aufgabenschwierigkeit, welche den/die Beschäftigte:n weder über- noch unterfordert, sowie eine Förderung der beruflichen und fachlichen Weiterentwicklung.
  4. Gleichzeitig muss auch ein behindertengerechter Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt werden. Sollten externe Weiterbildungsprogramme stattfinden, so liegt es ebenso in der Verantwortung des/der Arbeitgeber:in, die Teilnahme daran sicherzustellen bzw. zu erleichtern.
  5. Arbeitende mit Behinderung genießen einen gesonderten Kündigungsschutz. Zwar sind sie entgegen mancher Annahmen keineswegs unkündbar, allerdings erfordert eine einseitige Auflösung des Beschäftigungsverhältnisses vonseiten des/der Arbeitgeber:in die Zustimmung des Integrationsamtes. Dieses prüft, inwieweit die Entlassung mit der Behinderung des/der Arbeitnehmer:in zusammenhängt. Auch greift jener Kündigungsschutz erst dann, wenn das Arbeitsverhältnis seit mindestens sechs Monaten besteht.

 

 

Quote für Menschen mit Behinderung

 

Die Einstellung von behinderten Mitarbeiter:innen ist ab einer Betriebsgröße von 20 Personen gesetzlich vorgeschrieben. Private Unternehmen müssen demnach mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze einem/einer schwerbehinderten Mitarbeiter:in zur Verfügung stellen. In Einzelfällen können einem/einer Mitarbeiter:in mit Handicap auch zwei Pflichtarbeitsplätze angerechnet werden. Je nach Unternehmensgröße müssen zudem betriebliche Interessenvertretungen in Form eines/einer Inklusionsbeauftragten sowie einer Schwerbehindertenvertretung eingerichtet werden. Viele Firmen versäumen es dennoch, die Quote einzuhalten, denn für die Nichterfüllung wird nur eine vergleichsweise geringe Ausgleichsabgabe zwischen 105 und 260 Euro je unbesetztem Pflichtarbeitsplatz fällig. Von fast 165.000 beschäftigungspflichtigen Betrieben in Deutschland mussten 2017 knapp 100.000 eine derartige Zahlung ableisten.

 

 

So können Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt teilnehmen

 

Viele Menschen mit Behinderung haben Probleme, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen oder sind sich unsicher, an wen sie sich für Hilfsangebote wenden können. Wichtigster Ansprechpartner ist üblicherweise die Agentur für Arbeit, welche nicht nur in allen Fragen berät, sondern auch bei der Suche nach passenden Weiterbildungen und Stellenangeboten assistiert.

 

Weitere Anlaufstellen, die Arbeitsuchenden mit Behinderung weiterhelfen können, sind etwa:

  • Integrations- bzw. Inklusionsämter
  • Der Integrationsfachdienst (IFD)
  • Inklusionsberatungen der Kammern

 

Diese Institutionen helfen auch jenen, welche noch keine weiterführende Berufsqualifikation erlangt haben. Nicht nur Hochschulen stehen allen Menschen ungeachtet ihrer körperlichen Situationen offen, auch eine Ausbildung ist mit Behinderung möglich, solange die Beeinträchtigung den Abschluss der Lehre nicht grundsätzlich unmöglich macht: Fast 7.500 Auszubildende haben einen Schwerbehindertenausweis. Das „lohnt“ sich auch für die jeweiligen Betriebe, denn für einen Azubi werden gleich zwei Pflichtarbeitsplätze angerechnet. Für behinderte Auszubildende existieren Hilfsangebote wie die Berufsausbildungshilfe (BAB), die neben Beratungsservices auch finanzielle Zuschüsse anbietet.

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