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Depressionen und Burnout durch Arbeit – was Arbeitende tun sollten

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Depressionen und Burnout durch Arbeit – was Arbeitende tun sollten

Die Ursachen für Depressionen sind vielfältig – in einer Gesellschaft, in der alles so schnell und perfekt wie möglich erbracht werden soll, ist es kein Wunder, dass auch die Arbeit ausschlaggebend sein kann. Wer sich täglich auf der Arbeit quält, schüttet jede Menge Stresshormone aus.

 

Das kann sich durch physische Schmerzen oder einfach einem unguten Gefühl auf der Arbeit bemerkbar machen. Jede:r kann von Depressionen oder Burnout am Arbeitsplatz betroffen werden. Besonders kritisch ist es, wenn folgende Arbeitsbelastungen zum Dauerbrenner werden:

  • ständiger Termindruck
  • schlechtes Arbeitsklima
  • emotionaler Stress
  • viele Überstunden
  • Ständige Erreichbarkeit oder Rufbereitschaft
  • hoher Erfolgsdruck
  • zu kurze bis keine Pausen
  • monotone Aufgaben
  • schlechte Arbeitsplatzausstattung
  • hohe körperliche Belastung
  • Mobbing
  • Schichtarbeit

Burnout oder Depression?

Burnout hat sich im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahren als Modebegriff etabliert. Dabei ist der Begriff nicht klar definiert und in den maßgeblich internationalen Klassifikationssystemen gibt es keine Diagnose für Burnout. Viele Menschen, die sich aufgrund eines Burnouts eine Auszeit nehmen, leiden an einer depressiven Erkrankung. Genau genommen ist Burnout nichts anderes als eine posttraumatische Belastungsstörung, die durch zu viel Stress eine Erschöpfungsdepression auslösen kann.

 

Dieser Stress kann, muss aber nicht, aus einer zu hohen Arbeitslast in Kombination mit zu wenigen Entspannungszeiträumen resultieren. Ebenso kann auch emotionaler Stress, ständiger Zeitdruck oder ein schlechtes Arbeitsklima einen Burnout verursachen, ohne dass man sich jeden Tag verausgabt und zahlreiche Überstunden angehäuft hat. Welche auch immer die Gründe für ein Burnout-Syndrom sind: Es sollte keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden. Vielmehr sollte man einsehen, dass man einer Krankheit leidet, die in den meisten Fällen behandlungsbedürftig ist.

Depressionen am Arbeitsplatz: Auswirkungen für Arbeitnehmende

Je schlimmer die Depression, desto größer die Auswirkungen auf den Berufsalltag: Eingeschränkte Produktivität und Leistungsfähigkeit, vermindertes Durchhaltevermögen, Vergesslichkeit – auch bedingt durch die zahlreichen körperlichen Beschwerden einer Depression wie Schlafstörungen, sind die Folge.

 

Oft wird bei körperlichen Beschwerden viel seltener überlegt, ob diese ausreichend für einen Ärzt:innenbesuch sind. Doch wenn das Wohlbefinden leidet, dann sollte eine Psychotherapie in Anspruch genommen werden. Denn umso früher Hilfe gesucht und angenommen wird, desto höher sind die Chancen auf eine schnelle und lang anhaltende Genesung der Psyche. 

Recht auf Krankschreibung bei Depressionen

Wenn Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit, Müdigkeit und das Gefühl der inneren Leere überhandnehmen, können Arbeitnehmer:innen ihren Aufgaben und Verpflichtungen am Arbeitsplatz nicht mehr gerecht werden. Dann ist eine Krankschreibung unausweichlich. Ist die Depression sehr stark ausgeprägt, ist es mit ein oder zwei Wochen Erholung meist nicht getan. Im Vergleich zu körperlichen Erkrankungen weisen Depressionen nämlich überdurchschnittlich lange Fehlzeiten auf. 

  • Krankschreibung ausstellen lassen: Für eine depressionsbedingte Krankschreibung ist nicht der Besuch bei einem/einer Fachärzt:in nötig. Jede:r Ärzt:in kann in einem solchen Fall eine Krankschreibung ausstellen. Trotzdem ist es in solch einem Fall höchst empfehlenswert, eine:n Psychiater:in oder Neurolog:in aufzusuchen. Die können nämlich als einzige eine geeignete Therapiemaßnahme in die Wege leiten und eine umfassende Diagnose erstellen.
  • Diagnose: Depression: Damit ein:e Ärzt:in seine:n Patient:in mit der Diagnose Depression krankschreibt, müssen die depressiven Symptome seit mindestens zwei Wochen anhalten und so stark sein, dass Betroffene ihr Leben nicht in der gewohnten Weise führen können.
  • Länge der Krankschreibung: Die Dauer der Krankschreibung bei Depression unterscheidet sich individuell sehr stark und hängt vom persönlichen Krankheitsverlauf ab. Bei einer leichten Depression können Patient:innen eventuell wenige Wochen nach Therapiebeginn wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Wer an schweren Depressionen erkrankt, ist in manchen Fällen dauerhaft nicht mehr arbeitsfähig.
  • Was bei einer Krankschreibung zu beachten ist: Der/Die Arbeitnehmer:in muss seinen/ihren Arbeitgeber:in, wie bei jeder anderen Krankschreibung auch, unverzüglich die Arbeitsunfähigkeit mitteilen. Über die Diagnose, die der Krankschreibung zugrunde liegt, muss jedoch nicht informiert werden. Der genaue Krankheitsgrund muss nur dann angegeben werden, wenn er eine betriebliche Bedeutung haben sollte. Stellt ein:e Psycholog:in oder Psychiater:in die Krankschreibung aus, können Arbeitnehmer:innen vom/von der Hausärzt:in eine Krankschreibung für den gleichen Zeitraum einholen. Sechs Wochen im Jahr dürfen Arbeitnehmer:innen krank sein, ohne einen Jobverlust befürchten zu müssen.

Tipps für Arbeitgeber:innen und Kolleg:innen 

Wenn bei einem/einer der Kolleg:innen oder Angestellten verschiedene Anzeichen für eine Depression auffallen, sollte am besten in einer ruhigen Minute das persönliche Gespräch gesucht werden. Dann kann zum Beispiel gefragt werden, wie es ihm/ihr geht und ob ihn/sie etwas belastet. „Ich“-Botschaften helfen dabei.

 

Der/Die Betroffene wird sich freier äußern können, wenn lösungsorientiert statt anklagend reagiert wird. Hierhin gehört ebenfalls die Frage, ob das Arbeitsumfeld sich verändert hat - Stichwort Mobbing. Wer als Chef:in oder Kolleg:in unsicher ist, was gesagt oder wie reagiert werden soll, sollte genau das ansprechen. Fragen, die an den/die Betroffene:n gerichtet werden können, sind beispielsweise: „Wie kann ich helfen und unterstützen? Stimmt die Dosierung der Arbeit? Was brauchen Sie, damit es Ihnen besser geht?“ Das können zum Beispiel flexible Arbeitszeiten sein oder ein kleineres, eigenes Arbeitszimmer statt ein Platz im Großraumbüro.

Mit Depressionen umgehen: Arbeiten trotz Krankheit

Ärzt:innen sind sich darüber einig, dass Arbeit depressive Schübe verringern und sogar therapierend wirken kann. Denn der tägliche Lebensrhythmus und die Alltagsstruktur können Betroffenen das Gefühl von Sicherheit vermitteln. Zudem kann ein Job Anerkennung verschaffen, das Selbstwertgefühl stärken und dem Leben neue Perspektiven geben. Sollte der Beruf der Auslöser sein für die depressive Erkrankung, dann kann eventuell ein Jobwechsel oder eine Umschulung bzw. Umorientierung eine große Verbesserung der gesundheitlichen Situation bewirken.

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