Welink Legal Welink Legal
Kündigung: Wann ist ein Anwalt einzuschalten?

Kündigung: Wann ist ein Anwalt einzuschalten?

Kündigung: Wann ist ein Anwalt einzuschalten?

Wer eine Kündigung erhält, ist nicht immer darauf vorbereitet. Außerdem gibt es viele Szenarien, in denen eine Kündigung nicht ganz reibungslos ablaufen kann. Wenn z. B. ein Streit zwischen Arbeitgeber:in und Arbeitnehmer:in ausgefochten werden muss, sollte in jedem Fall ein Anwalt eingeschaltet werden. In diesem Beitrag geben wir Ihnen Tipps und Ratschläge an die Hand, die Sie nach Erhalt einer Kündigung befolgen können.

 

6 Tipps zum Thema Kündigung für Arbeitnehmer:innen

  1. Wenn möglich: Kündigung persönlich besprechen

Im Bestfall können Streitigkeiten zwischen Arbeitgeber:in und Arbeitnehmer:in in Ruhe und ohne anwaltliche Beratung geklärt werden. Das spart die Gerichtskosten für beide Parteien ein. So eine außergerichtliche Einigung ist nicht nur günstiger, sondern spart auch Zeit und schon Nerven. Daher ist normalerweise auch dem/der Arbeitgeber:in daran gelegen, Streitigkeiten persönlich aus dem Weg zu räumen. Verfügt das Unternehmen über einen Betriebsrat, kann dieser unterstützen oder sogar zwischen Arbeitnehmer:in und Arbeitgeber:in vermitteln. Können sich die Parteien in einem persönlichen Gespräch wiederum nicht einigen, sollte der Rat eines Rechtsanwaltes eingeholt werden. So wissen Arbeitnehmer:innen während der Verhandlungen über ihre Rechte Bescheid und können diese auch einfordern.


  1. Über die Kündigungsfrist informieren


Wer keine Kündigung erhalten, jedoch selbst eine Kündigung einreichen will, sollte sich in jedem Fall über die Kündigungsfrist informieren. Wenn eine Kündigung auch nur einen Tag zu spät eingereicht wird, wird diese unwirksam. Auch wenn die Kündigungsfrist in den meisten Fällen vier Wochen beträgt, sollte man sich nicht pauschal darauf verlassen, sondern sich im Vorfeld über die persönliche Frist informieren. Diese Angabe lässt sich im Arbeitsvertrag finden. Es sollte in jedem Fall auch auf einen möglichenTarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung geachtet werden, durch die sich Fristen verlängern können. Idealerweise ist eine Kündigung an Arbeitgeber:innen persönlich zu übergeben oder per Einschreiben zu versenden, um einen Nachweis über die Zustellung zu haben.


  1. Formale Vorgaben bei einer eingereichten Kündigung beachten

Damit eine Kündigung an den/die Arbeitgeber:in wirksam ist, sollte man sich vorab unbedingt über die formalen Vorgaben informieren. Die Kündigung muss z. B. unbedingt in schriftlicher Form erklärt, datiert und persönlich unterschrieben werden. Außerdem sollte der Inhalt auf das nötigste beschränkt sein und eindeutige Formulierungen verwenden. So können Missverständnisse vermieden werden.

 

  1. Sich arbeitssuchend melden

Wenn nach Ablauf der Restarbeitszeit kein neuer Job gefunden werden kann, muss man sich unmittelbar nach der Kündigung (innerhalb von drei Tagen) beim Arbeitsamt melden. Nur dann hat man einen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Wer selbst gekündigt hat oder, wenn eine Kündigung verhaltensbedingt war, kann das Arbeitsamt eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen verhängen. In dieser Zeit wird dann kein Arbeitslosengeld I ausgezahlt.

 

  1. Keinen Aufhebungsvertrag ohne Prüfung unterschreiben

Da ein Aufhebungsvertrag besagt, dass das Arbeitsverhältnis zwischen Arbeitnehmer:in und Arbeitgeber:in einvernehmlich beendet wird, ist hier Vorsicht zu walten. Bei einem solchen Vertrag verhängt das Arbeitsamt nämlich eine – auch meist bis zu zwölfwöchige – Sperrzeit für den/die Arbeitnehmer:in. Auch dann wird kein Arbeitslosengeld I ausgezahlt. Daher lohnt es sich vor dem Unterzeichnen eines solchen Aufhebungsvertrags, einen Rechtsanwalt zu konsultieren.


  1. Rechtzeitig auf Hilfe zurückgreifen

Bei Unsicherheiten, komplexen Fragen und unüberwindbaren Streitigkeiten sollte in jedem Fall ein Rechtsanwalt oder zumindest der Betriebsrat einbezogen werden. Dieser stellt sicher, dass sich Arbeitnehmer:innen durch juristisches Fehlverhalten keine Ansprüche zunichtemachen. Außerdem kann er prüfen, ob eine Kündigungsschutzklage in Frage kommt und bezüglich einer Abfindung beraten.



Kurze Zeitspanne, um sich gegen eine Kündigung zu wehren

Mit Hilfe des Kündigungsschutzgesetzes können Arbeitnehmer:innen den Rauswurf vom Arbeitsgericht prüfen lassen. Dafür bleibt jedoch nicht viel Zeit. Innerhalb von drei Wochen nach Zugang des Kündigungsschreibens muss die Klage beim Gericht liegen. Versäumt ein:e Betroffene:r die Frist, wird die Kündigung wirksam, selbst wenn sie unberechtigt war. Im Nachhinein ist meist nichts mehr zu machen.

In der ersten Instanz vor dem Arbeitsgericht gibt es übrigens keinen Anwaltszwang. Daher können Arbeitnehmer:innen theoretisch selbst prozessieren. Besser sind die Erfolgsaussichten jedoch, wenn ein Rechtsanwalt die Klage vorbereitet und die Verhandlungsführung übernimmt. Ein Richter kann während des Prozesses nämlich nur das berücksichtigen, was klar geäußert wird. Er bereitet sich nicht selbst auf den Prozess vor. Ohne Rechtsanwalt laufen Arbeitnehmer:innen Gefahr, dass für sie günstige Fakten auf der Strecke bleiben und der Prozess deshalb verloren geht.

 

Anwaltliche Gebühren bei Kündigung

Wie viel Geld ein Anwalt für seine Dienste berechnen darf, ist gesetzlich vorgeschrieben. Laut dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz schlägt eine Erstberatung mit maximal 226,10 Euro zu Buche, zusammen mit der Telekommunikationspauschale von 23,80 Euro kann der erste Termin bis zu 249 Euro kosten. Immerhin: Dieser Betrag wird auf die Gebühren angerechnet, die anfallen, wenn der Anwalt den Fall tatsächlich übernimmt. Während in anderen Gerichtszweigen der Verlierer stets den Anwalt der Gegenseite bezahlen muss, gilt in der ersten Instanz des arbeitsgerichtlichen Verfahrens eine Besonderheit: Jede Seite zahlt ihren Anwalt aus eigener Tasche – egal, wer den Prozess gewinnt. Nur die Gerichtskosten muss der Verlierer allein zahlen.

 

Kostenlos klagen mit Gewerkschaft

Fein raus sind Arbeitnehmer:innen mit einer Rechtsschutzpolice, die arbeitsrechtliche Streitigkeiten abdeckt. Sie zahlen nichts für die Wahrung ihrer Rechte. Auch der Gewerkschaftsrechtsschutz ist für Mitglieder kostenlos. Zumindest eine Erstberatung sollten sich aber auch jene Kündigungsopfer gönnen, die den Anwalt selbst bezahlen müssen. Das gilt selbst dann, wenn der Fall aussichtslos erscheint. Oft lässt sich juristisch mehr erreichen, als Laien erwarten. Auch soziale Erwägungen spielen eine Rolle, z. B. Unterhaltsverpflichtungen.

 

Eine gute Abfindung bei Kündigung erstreiten

Selbst wenn der Arbeitsplatz nicht zu retten ist, kann sich eine Kündigungsschutzklage lohnen. Es kann beispielsweise eine Abfindung erstritten werden. Bei betriebsbedingten Kündigungen besteht teils sogar ein Anspruch auf eine solche Zahlung: Wer auf eine Kündigungsschutzklage verzichtet, kann laut Gesetz ein halbes Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr verlangen. Voraussetzung ist, dass der Chef im Kündigungsschreiben eine Abfindung für eben diesen Fall anbietet. Auch in einer solchen Konstellation lohnt sich eine Beratung, denn nicht immer ist es sinnvoll, die eigenen Rechte für die Standardabfindung zu verkaufen. Oft ist vor Gericht deutlich mehr drin. Kündigungsschutzklagen enden häufig nicht mit einem Urteil, sondern mit einem Vergleich, mit dem beide Parteien leben können.

Finden Sie einen qualifizierten Anwalt oder eine Kanzlei

Sind Sie Anwalt?

Verweisen Sie Ihre Kanzlei auf den Branchenführer für Anwälte