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Mobbing am Arbeitsplatz – rechtliches Vorgehen

Mobbing am Arbeitsplatz – rechtliches Vorgehen

In diesem Beitrag möchten wir zum Thema Mobbing aufklären. Dazu wird zunächst erklärt, wann es sich überhaupt um Mobbing handelt, welche Folgen Mobbing am Arbeitsplatz hat und wie rechtlich gegen Mobbing vorgegangen werden kann.

Wann von Mobbing die Rede ist

Da es sich beim Begriff Mobbing um einen rechtlichen Begriff handelt, muss er vorab klar eingegrenzt werden. Allgemein kann gesagt werden, dass man von Mobbing spricht, wenn durch das Verhalten des Mobbenden arbeitsvertragliche Pflichten verletzt werden. Einzelne Handlungen, die unter dem Begriff Mobbing zusammengefügt werden können, gelten alleinstehend jedoch noch nicht als Mobbing. Wenn es z. B. lediglich einen Vorfall oder ein Vorkommen gibt, das auf den Begriff Mobbing einzahlt, handelt es sich übergreifen noch nicht um Mobbing.

 

 

Unter Mobbing im rechtlichen Sinne versteht man das systematische Anfeinden, Schikanieren und/oder Diskriminieren zwischen Arbeitnehmer:innen oder durch Vorgesetzte. Das Wort „systematisch“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die einzelnen Handlungen des/der mobbenden Arbeitnehmer:in oder des/der Vorgesetzten aufeinander aufbauen oder ineinander übergreifen müssen.

 

 

Das meint, dass durch ein einmaliges Ignorieren einer Person noch nicht von Mobbing die Rede sein kann. Nur, wenn dieses Verhalten mit anderen in Zusammenhang gebracht werden kann, handelt es sich um Mobbing. Außerdem ist dann von Mobbing die Rede, wenn es mindestens ein:e Täter:in und ein Opfer gibt, nicht aber, wenn der/die vermeintlich Gemobbte das Verhalten des/der Anderen ausgelöst hat. Hier kann es also bereits zu einer Beweisschwierigkeit kommen. Der/Die Gemobbte sollte daher genau dokumentieren, zu welchen Vorfällen es wann im Einzelnen kam.

 

 

Mobbing am Arbeitsplatz kann außerdem verschiedene Formen annehmen und auf unterschiedlichen Motiven beruhen. Ein übergeordnetes Ziel der mobbenden Person ist es meist, den/die Gemobbte:n aus dem Arbeitsverhältnis zu drängen.  Dabei kann Mobbing auch außerhalb des Arbeitsplatzes geschehen. Cybermobbing beispielsweise findet über soziale Netzwerke statt. In Sachen Arbeitsrecht sollte jedoch immer ein Bezug zur Arbeit nachgewiesen werden können.

 

 

Das passiert, wenn die Handlungen während der Arbeit vorkommen, die Inhalte Bezug auf das Verhalten des/der Gemobbten am Arbeitsplatz nehmen oder sich zum/zur Gemobbten in betriebsinternen Gruppen ausgetauscht wird.

 

Folgen und Phasen von Mobbing am Arbeitsplatz

Für Gemobbte lastet das ständige Angehen durch Kolleg:innen und/oder Vorgesetzte schwer im Arbeitsalltag. Über kurz oder lang schlägt Mobbing am Arbeitsplatz auf die Gesundheit. Das hat sowohl psychische als auch physische Folgen.

 

Da zu jeder Zeit mit einem Angriff gerechnet werden muss, hört der Kopf auch nicht auf zu arbeiten, wenn der Arbeitstag bereits vorbei ist. Mobbingopfer leiden auch am Ende des Tages und nachts mit der Bewältigung ihrer Situation. Dauerhaft macht das krank, weil die Betroffenen nie abschalten können und immer angespannt sind. Folgende Symptome und Erkrankungen können Folgen von Mobbing sein:

  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Erschöpfung
  • Schlaflosigkeit
  • Angstzustände
  • Appetitlosigkeit
  • Depressionen
  • Burn-out
  • Posttraumatisches Stresssyndrom

Expert:innen, die auf Mobbing am Arbeitsplatz spezialisiert sind, weisen darauf hin, dass je länger Mobbing durch den/die Arbeitgeber:in oder eine:n Mitarbeiter:in dauert, desto stärker die seelischen und körperlichen Folgen sind.

 

Dabei tritt oft ein ähnlich ablaufender Prozess auf:

  1. Der neu aufgetretene, nicht zu lösende Konflikt geht mit anfänglichen Stresssymptomen einher. Zu diesem Zeitpunkt versucht das Mobbingopfer meist noch, auf den/die Mobber:in zuzugehen.

  2. Durch die sich ausweitenden Schikanen entstehen Angst und Selbstzweifel beim Opfer.

  3. Das Mobbingopfer arbeitet nun noch mehr und macht freiwillig Überstunden, um sich zu beweisen. Wegen der Überlastung und des Mobbings passieren jedoch immer häufiger Fehler und in manchen Fällen folgen hier schon Abmahnungen und ggf. ein Burn-out.

  4. Der/Die Gemobbte versuch meist mit rechtlichem Beistand auf das Mobbing am Arbeitsplatz zu reagieren. Außerdem treten psychosomatische Beschwerden auf, deren Herkunft ein Arzt nur selten diagnostizieren kann.

  5. Oft kommt es zur Kündigung wegen des Mobbings. Der/Die Arbeitnehmer:in ist für einen längeren Zeitraum krankgeschrieben und möglicherweise haben sich bereits eine Depression oder selbstverletzende Handlungen manifestiert.

 

Wegen dieser massiven potenziellen Konsequenzen ist schnell Abhilfe zu schaffen, wenn es um Mobbing am Arbeitsplatz geht. Betroffene sollten sich frühzeitig Hilfe holen – sowohl psychologisch als auch juristisch.

 

Rechte von Arbeitnehmer:innen bei Mobbing am Arbeitsplatz

 

Je nach Fall stehen Arbeitnehmer:innen, die gemobbt wurden unterschiedliche Rechte zu. Der/Die Arbeitgeber:in hat außerdem eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Arbeitnehmer:innen

 

  • Der/Die Betroffene hat einen Anspruch darauf, dass der/die Arbeitgeber:in das Mobbing zu unterbinden hat.

  • In manchen Fällen kann dem Opfer ein Zurückbehaltungsrecht seiner Arbeitsleistung zustehen, damit man sich nicht mit weiteren Anfeindungen aussetzen muss. Konkret bedeutet das, dass der/die Mitarbeiter:in nicht zur Arbeit erscheinen muss. Das sollte jedoch nur dann passieren, wenn zuvor mit einem Anwalt für Arbeitsrecht gesprochen wurde.

  • Der/Die Arbeitnehmer:in kann außerdem das Arbeitsverhältnis fristlos kündigen. Das gilt vor allem, wenn der/die Arbeitgeber:in keine geeigneten Maßnahmen gegen das Mobbing ergreift. Vorab sollte jedoch ausführlich und mehrfach mit dem/der Arbeitgeber:in über das Problem gesprochen werden.

  • Außerdem kommen in folgenden Fällen sowohl gegen den/die mobbende:n Arbeitnehmer:in als auch gegen den/die Arbeitgeber:in, der für das Verhalten des/der mobbenden Kolleg:in einzustehen hat, Anprüche auf Zahlung von Geld in Betracht:
    • Bei Krankheit des/der gemobbten Arbeitnehmer:in können ihm/ihr Ansprüche auf Ersatz der Behandlungskosten gegen den/die Arbeitgeber:in und den/die mobbende:n Arbeitnehmer:in zustehen.

    • Das Opfer kann Ansprüche auf Schmerzensgeld haben.

    • Wenn beleidigende oder andere entwürdigende Elemente enthalten sind, kann ein Anspruch auf Geldentschädigung wegen einer Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts in Betracht kommen.

    • Bei einer Eigenkündigung können dem/der Betroffenen Schadensersatzansprüche zustehen. Das umfasst alle Schäden, die dem/der Arbeitnehmer:in aufgrund der Aufhebung des Arbeitsverhältnisses entstehen (beispielsweise der ausgebliebene Lohn)

    • Manchmal verlangt der/die Arbeitgeber:in auch, den/die gemobbte:n Arbeitnehmer:in zu gehen. Wegen des Kündigungsschutzes kann das aber oft nicht reibungslos verlaufen und es kommt ein Aufhebungsvertrag in Betracht. Der/Die gemobbte Arbeitnehmer:in sollte diesen nur unterschreiben, wenn eine hohe Abfindung vereinbart wird.

Was der/die Arbeitgeber:in gegen Mobbing am Arbeitsplatz tun muss

Arbeitgeber:innen müssen grundsätzlich dafür sorgen, dass Mitarbeiter:innen vor Mobbing geschützt werden. Dafür müssen Sachverhalte ermittelt werden, Beteiligte einberufen werden und der/die Mobbende muss Abmahnungen erhalten. Sollte das zu nichts führen, muss der/die Arbeitgeber:in den/die Mobbende:n versetzen und dem/der Gemobbten anbieten, auf einer anderen Stelle zu arbeiten.

 

Im Ernstfall muss der/die Mobbende gekündigt werden.

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