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Nachtarbeit: Festgesetzte Regelungen und Lohnzuschlag

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Nachtarbeit: Festgesetzte Regelungen und Lohnzuschlag

Nachtarbeiter:innen sind häufig höher belastet als Menschen, die zu regulären Arbeitszeiten arbeiten. Sie müssen nämlich nicht nur ohne Tageslicht auskommen, Nachtarbeit stört auch den natürlichen Biorhythmus des Körpers. Daher ist nächtliches Arbeiten gesundheitsschädlicher als Arbeiten bei Tageslicht. Zusätzlich klagen Nachtarbeiter:innen nicht selten darüber, dass ihr Sozial- und Familienleben darunter leidet. Aus diesen Gründen werden Nachtarbeiter:innen mit einem erhöhten Stundenlohn entlohnt, dem sogenannten Nachtzuschlag. Wir erläutern in diesem Beitrag, was es darüber zu wissen gibt.

Nachtarbeit im Arbeitszeitgesetz

Das deutsche Arbeitszeitgesetz (ArbZG) ist ein Gesetz zum Arbeitsschutz und regelt die zulässige Arbeitszeitgestaltung. Neben Mindestruhepausen, Arbeitsruhe und der Anzahl der täglichen Arbeitsstunden enthält es auch Informationen und Regelungen zu Sonn-, Feiertags- und Nachtzuschläge.

Rechte von Nachtarbeiter:innen

Zum Thema Nachtzuschlag findet man hier die Angabe, dass die tägliche Arbeitszeit für Nachtarbeiter:innen nicht länger als 8 Stunden betragen darf. Sie darf nur dann auf höchstens 10 Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von 4 Wochen bzw. innerhalb eines Kalendermonats die durchschnittliche werktägliche Arbeitszeit weiterhin 8 Stunden beträgt. Außerdem haben Nachtarbeiter:innen einen Anspruch darauf, regelmäßiger arbeitsmedizinisch zu untersucht werden – der/die Arbeitnehmer:in muss die Kosten übernehmen.

 

Unter bestimmten Umständen können Nachtarbeiter:innen auch verlangen, dass sie auf einen geeigneten Tagesarbeitsplatz versetzt werden. Ebenso verlangt das Gesetz hier, dass ein angemessener Freizeitausgleich oder ein gesetzlicher Nachtzuschlag auf das Bruttogehalt gerechnet wird.

Eine Versetzung in die Tagesschicht ist übrigens möglich, wenn

  • die Nachtarbeit die Gesundheit gefährdet und dies arbeitsmedizinisch festgestellt wurde, oder
  • mindestens ein Kind unter zwölf Jahren oder ein:e schwerpflegebedürftige:r Angehörige:r betreut werden muss.

Nachtzuschlag: Wie sind die Regelungen?

In Deutschland zählt alles zur Nachtarbeit, was zwischen 23 und 6 Uhr ausgeübt wird. Die einzige Ausnahme bilden hier Bäckereien und Konditoreien – hier zählt alles zwischen 22 und 5 Uhr zur Nachtarbeit.

 

Sobald nun ein:e Arbeitnehmer:in regelmäßig mehr als zwei Stunden während dieses Zeitraums arbeitet, muss er/sie den Nachtzuschlag erhalten. Der Zuschlag wird generell jedoch nur für die Zeit gezahlt, die tatsächlich in der Nachtarbeitszeit liegt.

 

Angestellte, die jedoch nur ein einziges Mal während der Nachtzeit arbeiten, haben keinen Anspruch auf den Zuschlag. Das gilt erst, wenn der/die Arbeitnehmer:in Nachtarbeit in Wechselschicht leistet oder mindestens an 48 Tagen des Jahres nachts arbeitet.

Nachtarbeitsverbot: diese Personen dürfen nachts nicht arbeiten

Nicht allen Angestellten ist es erlaubt, zu den Nachtzeiten zu arbeiten. So sieht das Jugendarbeitsschutzgesetz ein generelles Beschäftigungsverbot für Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren in der Zeit von 20 bis 6 Uhr vor. Nach dem alten Gesetz zum Mutterschutz war es auch werdenden und stillenden Müttern untersagt, zwischen 20 und 6 Uhr zu arbeiten. Gemäß der Änderung dieses Gesetzes vom kann eine werdende Mutter nun auf eigenen Wunsch von 20 Uhr bis 22 Uhr arbeiten, sofern keine medizinischen Gründe vorliegen, die dagegen sprechen. Da diese Arbeitszeit aber noch nicht unter die Definition von Nachtarbeit im Sinne des Arbeitszeitgesetzes fällt, erhalten die Frauen hierfür keinen Nachtzuschlag.

Höhe des Nachtzuschlags

Viele Arbeitgeber:innen stellen sich die Frage, wie der Nachtzuschlag zu berechnen ist. Der Zuschlag wird für jede Stunde Nachtarbeit geleistet und richtet sich deshalb nach dem Bruttolohn pro Stunde. Generell betragen die Zuschläge bei Nachtarbeit 25 Prozent des Bruttostundenlohns und sind zwischen 20 und 6 Uhr steuerfrei. Wird die Arbeit zwischen 0 und 4 Uhr geleistet, sind sogar Zuschläge von bis zu 40 Prozent steuerfrei. Dies ist darin begründet, dass der Gesetzgeber diese Zeiten als besonders belastend ansieht.

 

Inwieweit eine geringere oder höhere Arbeitsbelastung bei der Nachtarbeit besteht und ob der gesetzliche Nachtzuschlag dementsprechend verringert oder erhöht werden kann, wird in erster Linie von einem Arbeitsgericht beurteilt. Möchte ein:e Arbeitgeber:in vermeiden, dass Zuschläge nachträglich eingeklagt werden, und ist er/sie verunsichert, in welcher Höhe der Nachtzuschlag festgelegt werden muss, sollte er/sie sich von einem Rechtsbeistand beraten lassen.

 

Die Höhe der tarifungebundenen Nachtzuschläge wurde in einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts konkretisiert. Dieses hatte im April 2014 den zustehenden Nachtzuschlag für einen LKW-Fahrer festgelegt. Dessen Nachtzuschlag als Berufskraftfahrer belief sich zunächst auf 11 Prozent und später auf 20 Prozent. Der LKW-Fahrer empfand diese Zuschlagshöhe als nicht angemessen und verlangte einen Nachtzuschlag von 30 Prozent aufgrund der erhöhten Belastung durch die Dauernachtarbeit. Er erhielt Recht.

 

Mit diesem Urteil regelte das BAG nicht nur die Nachtzuschläge für LKW-Fahrer:innen, sondern fällte eine grundsätzliche Entscheidung, die sich auf alle anderen Gewerbe übertragen lässt: Der Nachtzuschlag in der Pflege ist demnach der gleiche wie der Nachtzuschlag im Baugewerbe – sofern es keine anderweitige tarifvertragliche Regelung gibt.

Doppelter Zuschlag: Nachtarbeit und Feiertagsregelung

Erfolgt die Nachtarbeit an einem Feiertag, wird der Nachtzuschlag zuzüglich zum Feiertagszuschlag gezahlt. Letzterer berechnet sich nach Art des Feiertags und kann bei Nachtarbeit bis 4 Uhr morgens am Folgetag gezahlt werden.

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