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Anforderungen an einen Wirtschaftsanwalt: Rechtsberatung zum Wirtschaftsrecht

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Anforderungen an einen Wirtschaftsanwalt: Rechtsberatung zum Wirtschaftsrecht

Der Begriff „Wirtschaftsanwalt“ bezeichnet kein eigenständiges Berufsbild, sondern einen Rechtsanwalt, der im Wirtschaftsrecht tätig ist, teilweise auch mit wirtschaftswissenschaftlicher Zusatzqualifikation, wie z. B. Diplom-Kaufmann, Diplom-Betriebs- oder Volkswirt.

Wo liegen die Schwerpunkte eines Wirtschaftsanwalts?

Grundkenntnisse kaufmännischer Buchführung und Bilanzierung, Grundlagen der Besteuerung von Unternehmen, Einblicke in wettbewerbspolitische Zusammenhänge und ein Verständnis für die Funktionsweise der Finanzmärkte sind für eine erfolgreiche Tätigkeit mit Blick auf die Interessen der Mandant:innen unabdingbar. Der Wirtschaftsanwalt sollte sich im Handels- und Gesellschaftsrecht auskennen und auch einen Überblick über angrenzende Gebiete haben wie das Arbeits- und Steuerrecht. Besondere Problematiken für im Wirtschaftsrecht tätige Anwälte können in ausländischen Gesellschaftsformen wie der Limited liegen, die auch in Deutschland immer häufiger anzutreffen sind.

 

Der Wirtschaftsanwalt hat es häufig mit international tätigen Mandant:innen zu tun, so dass er meist mindestens Englisch in Wort und Schrift beherrscht, zu dem aber auch Rechtsfragen im Hinblick auf ausländische Rechtsordnungen beantworten kann. Neben der Streitführung ist ein Wirtschaftsanwalt besonders wichtig zur Streitvermeidung durch optimal angepasste vertragliche Regelungen, besonders bei Gesellschaftsverträgen.

Unterschied: Wirtschaftsanwalt und Wirtschaftsjurist

Der Wirtschaftsanwalt ist zu unterscheiden vom Begriff des Wirtschaftsjuristen. Sie sind zum Teil Fachhochschulabsolvent:innen sind. Die Ausbildung zum Wirtschaftsjuristen an Fachhochschulen umfasst zum einen die wirtschaftswissenschaftlichen wie auch zum anderen die wirtschaftsrechtlichen Fragen, ist aber auch auf wirtschaftsrechtliche Fragen im Gegensatz zum Volljuristen beschränkt. An Universitäten wird zunehmend eine Zusatzqualifikation zum Wirtschaftsjuristen angeboten, hierbei erhält der angehende Volljurist die wirtschaftswissenschaftlichen Grundkenntnisse. Der Universitätsabschluss des Volljuristen wird z. B. als LLM oec. oder Dipl. jur. oec. univ. bezeichnet.

Werdegang zum Wirtschaftsprüfer

Nach bestandenem Examen wählen siebzig Prozent aller Referendar:innen den Anwaltsberuf. Viele reizt die Spezialisierung zum Wirtschaftsanwalt. Doch ein klarer Ausbildungsweg fehlt bislang. Der Wirtschaftsanwalt arbeitet auf Gebieten, die meist nicht unternehmensintern und auch nicht von anderen Berufen abgedeckt werden können. Dies sichert ihm die stetige Nachfrage nach einer Leistung, die letztlich nur durch Wettbewerb oder die konjunkturelle Situation beeinflusst werden kann.

Beim Wirtschaftsanwahl zählt die Qualifikation

Von einem jungen Wirtschaftsanwalt werden besondere Qualifikationen erwartet. Die – in Zukunft nur modifizierte – Ausbildung zum deutschen Einheitsjuristen ist eine solide Grundlage, aber eben nur das. Die internationalen Wirtschaftskanzleien erwarten bei einer Bewerbung, dass die Examensergebnisse überdurchschnittlich sind. Verständnis und Überblick für schwierige wirtschaftliche Zusammenhänge sind das zweite wichtige Erfordernis. Grundkenntnisse kaufmännischer Buchführung und Bilanzierung, Grundlagen der Besteuerung von Unternehmen, Einblicke in wettbewerbspolitische Zusammenhänge und ein Verständnis für die Funktionsweise der Finanzmärkte sind unabdingbar.

 

Die internationale Ausrichtung des Berufs macht sehr gute englische Sprachkenntnisse erforderlich. Der/Die Bewerber:in muss in der Lage sein, komplexe Verhandlungen in Englisch zu führen, dies vor allem auf Video- oder Telefonkonferenzen. Schließlich sind Eigenschaften wie Teamfähigkeit, Sensibilität für Erwartungen von Mandant:innen und Durchsetzungsvermögen gefragt. Wer diese Qualifikation hat, kann mit einem vergleichsweise hohen Einstiegsgehalt zwischen 70.000 und 80.000 Euro im Jahr rechnen.

Ausbildungsweg konsequent planen

Die Voraussetzungen für diesen Einstieg werden aber nicht durch die traditionelle Ausbildung geschaffen. Nach wie vor wird der junge Wirtschaftsanwalt sich mit eigener Initiative auf die hohen Anforderungen dieser besonderen Sparte des Anwaltsmarktes vorbereiten müssen. Wer sich für diesen Beruf interessiert, wird schon frühzeitig in seine Sprachausbildung im Ausland investieren. Industriepraktika im Ausland während dieser Zeit geben Einblicke, die später aus Zeitmangel nicht mehr zu erlangen sind.

 

Eine konsequente Ausrichtung auf unternehmensrelevante Rechtsgebiete während des Studiums und das Belegen betriebswirtschaftlicher Lehrveranstaltungen geben zusätzliches Rüstzeug über die rein juristische Ausbildung hinaus. Anwaltliche Tätigkeit oder auch ein Studium im Ausland nach den Examen schafften eine gute Grundlage für das erforderliche Verständnis anderer Arbeitsweisen und Rechtskulturen. Entscheidend für den Bewerbungserfolg ist das „Mehr“ gegenüber dem Durchschnitt der Jungjuristen.

Reform allein genügt nicht

Das Streben junger Jurist:innen in den Anwaltsberuf ist unverändert stark. Umso wichtiger scheint eine auf zwölf Monate verlängerte Tätigkeit bei einem Anwalt während der praktischen Ausbildung zu sein. Auch die Unterrichtung in Verhandlungstaktik und dem Entwerfen von Verträgen sind unter dem Gesichtspunkt größerer Praxisnähe für die operativen Belange der Berufstätigkeit begrüßenswert. Ob diese Reform allerdings auch die Berufschancen neu examinierter Juristen verbessern wird, darf bezweifelt werden.

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